Wochen News Nummer 38
Das Rennen machen oder nicht machen? Eine Frage, die ich mir diese Woche immer wieder gestellt habe und auf die ich in der kommenden Woche definitiv eine Antwort haben muss.
Wir Profis können uns bis zwei Wochen vor dem Start von einem Rennen abmelden und den Startplatz auf ein anderes Rennen verschieben. Zu Beginn der Woche und so, wie sich mein Fuss angefühlt hat, dachte ich eigentlich, dass Port Macquarie nichts wird. Nach einem Besuch bei Mel und ein paar Nachrichten mit Kurt habe ich die endgültige Entscheidung aber nochmals etwas hinausgeschoben.
Gleichzeitig weiss ich natürlich auch, was die Reise bedeutet. Ich müsste ein Auto mieten und nochmals rund 1'000 Dollar für die Unterkunft ausgeben. Damit wird das Ganze ziemlich teuer und wenn ich dafür nicht wirklich lauffit an der Startlinie stehe, tendiere ich momentan eher dazu, nicht zu fahren und zuerst wieder 100 Prozent fit zu werden.
Wie ich letzte Woche schon geschrieben habe: Wenn man weiss, dass man gerade vielleicht bei 70 Prozent ist und dann mit seinem Messer zum Waffenkampf geht, macht das irgendwann auch keinen Spass mehr. Dann investiere ich meine Zeit lieber ins Training und ins Arbeiten und kann dafür mit Blick auf nächstes Jahr vielleicht nach Wanaka fahren. Das würde mich sehr motivieren.
Nicht immer der Fitness hinterherjagen
Diese Woche habe ich einen Podcast mit Mika Noodt gehört, einem sehr guten deutschen Profi-Triathleten. Dabei musste ich an etwas denken, das ich bei ihm schon länger spannend finde. Nach Verletzungen startet er erst wieder, wenn er sich wirklich bereit dafür fühlt. Er ist nicht ständig auf der Jagd nach Fitness und versucht nicht, möglichst schnell wieder irgendwo an einer Startlinie zu stehen.
Er lässt sich die Zeit, gesund zu werden, und irgendwann kommt der Punkt, an dem er sagen kann: Okay, jetzt bin ich wieder bereit für Rennen.
Ich finde das eine ziemlich gute Einstellung. So ist man nicht ständig auf der Jagd nach irgendetwas, sondern kann die Dinge auch einmal auf sich zukommen lassen, ohne alles forcieren und auf den letzten Drücker irgendwie möglich machen zu müssen.
Eine Woche mit vielen Optionen
Die letzte Woche war beim Training ein bisschen ein Auf und Ab. An manchen Tagen wussten wir nicht genau, ob Laufen möglich sein würde oder nicht. Entsprechend war das Training häufig ziemlich spontan oder wir hatten verschiedene Optionen: Wenn es so läuft, machen wir das wenn nicht, machen wir etwas anderes.
Was dabei wirklich gut ist: Kurt ist sehr flexibel und wir kommunizieren häufig miteinander. So schaffen wir es eigentlich immer, das Beste aus einer Woche herauszuholen, auch wenn nicht alles genau nach Plan läuft.
Manchmal ist es natürlich etwas mühsam, wenn man gleichzeitig noch seine Arbeitstage planen muss und nicht genau weiss, wie das Training aussehen wird. Das bedeutet zwischendurch etwas mehr Stress bei der Planung. Aber das gehört wohl dazu, wenn man nicht nur einen Ball gleichzeitig jongliert.
Drei Highlights der Woche
Was waren also meine sportlichen Highlights dieser Woche?
Eines davon war definitiv der Sonntagmorgen. Emma begleitete mich bei einem lockeren Lauf auf den Trails. Zum ersten Mal liefen wir auf den Wegen rund um einen See ganz in unserer Nähe. Die Trails sind technisch nicht besonders anspruchsvoll und waren deshalb perfekt für mich. Gleichzeitig war es eine sehr willkommene Abwechslung zu den ganzen Läufen auf dem Gras-Oval der letzten Wochen.

Danach ging es natürlich noch zum Kaffee. Dieses Mal ins Flying West, wo es richtig gute Toasts gibt, denen ich natürlich nicht widerstehen konnte. Und ein guter Kaffee durfte ebenfalls nicht fehlen. So darf ein Sonntagmorgen gerne aussehen.
Das zweite Highlight war am Samstagmorgen eine vierstündige Radausfahrt. Nicht unbedingt, weil die Einheit an sich etwas Spezielles gewesen wäre, sondern weil ich einfach richtig Spass daran hatte, mein Zeitfahrrad zu fahren. Seit längerer Zeit ging es wieder einmal auf den Old Bruce Highway. Das ist eine alte Schnellstrasse mit viel Platz und wenig Verkehr und damit ziemlich perfekt zum Radfahren. Gleichzeitig tut es gut, zwischendurch wieder einmal eine andere Route zu fahren und etwas Abwechslung ins Training zu bringen.
Das dritte und letzte Highlight gab es am Freitagmorgen vor der Arbeit. Kurz vor 7 Uhr kam ich am Pool an. Um diese Zeit enden die meisten Squads und dadurch hatte ich für meine vier Kilometer tatsächlich eine ganze Bahn für mich alleine.
Während des Schwimmens kam langsam die Sonne über die Bäume und zum ersten Mal seit dem Rennen fühlte ich mich im Wasser wieder richtig wohl. Das war noch die Sahne auf der Torte. So konnte ich nach dem Training entspannt in meinen Arbeitstag starten.
Port Mac oder zu Hause bleiben?
Und damit geht wieder eine Woche zu Ende. In der nächsten Woche weiss auch ich, ob ich die Reise nach Port Macquarie antreten werde oder ob ich zu Hause bleibe und weiter trainiere.
Momentan denke ich immer mehr darüber nach, ob es nicht die bessere Entscheidung wäre, meinem Körper die nötige Zeit zu geben und erst dann wieder an einer Startlinie zu stehen, wenn ich mich wirklich bereit dafür fühle. Ein Rennen läuft nicht davon, denn ich weiss, dass wieder eines kommen wird.
Bis die Entscheidung gefallen ist, werde ich weiterhin fleissig meine Übungen für den Fuss machen und meine Rückkehr zum Laufen langsam steigern. Am meisten freue ich mich momentan sowieso darüber, wieder rausgehen und laufen zu können, an der frischen Luft zu sein und Schritt für Schritt etwas Normalität zurückzubekommen.
Ich wünsche euch allen eine gute Restwoche und hoffe, dass ihr noch ein paar warme Herbsttage geniessen könnt. Bei uns freuen wir uns dafür über immer mehr Sonne und wärmere Tage.
Bis nächste Woche.
Cyrill


