Wochen News Nummer 40
Ein Sonntag voller Emotionen! Ob in Kona, wo die Ironman-Weltmeisterschaft stattfand, oder hier in Australien beim legendären Supercars-Rennen in Bathurst. An beiden Orten trifft man auf jede Menge Nerds. Die einen sind durchtrainiert bis zum Gehtnichtmehr, bei den anderen steht wohl etwas mehr die Feststimmung im Vordergrund. Aber wenn man mit den Athleten und Fahrern spricht, geht es am Ende um dasselbe: Alles aus sich herauszuholen und einen der grössten Titel im jeweiligen Sport zu gewinnen.
Wieso spreche ich jetzt plötzlich auch noch über Autorennen? Sorry, aber wenn ich jemanden kenne, der bei einem grossen Sportevent dabei ist, erwische ich mich immer wieder dabei, dass ich mich dafür interessiere. Auch wenn es ein Sport ist, von dem ich eigentlich keine Ahnung habe. Und da Emmas Bruder bei den Supercars mitfährt, bin ich natürlich etwas parteiisch. Eigentlich möchte ich einfach nur sein Auto vorne sehen. Auch wenn mir dann jemand etwas von Teamwertungen und anderen Dingen erzählt. Ich will einfach, dass er gewinnt. Ich habe mich schon gefragt, ob das vielleicht daran liegt, dass ich selbst einen Einzelsport betreibe. Eine klare Antwort habe ich darauf noch nicht gefunden. Aber wenn man Fan von jemandem ist, möchte man doch einfach, dass genau diese Person erfolgreich ist.
Kona wie weit darf man gehen?
Wie schon erwähnt, fand am Sonntag die Ironman-Weltmeisterschaft in Kona statt. Und auch dieses Jahr gab es wieder Szenen, die mich nachdenklich gemacht haben. Bei den Männern brach der Führende ungefähr bei Kilometer 30 des Marathons ein, bei den Frauen passierte etwas Ähnliches nur rund einen Kilometer vor dem Ziel.
Ich bin der Meinung, dass es nicht gesund sein kann, wenn man Sport macht und irgendwann einfach zusammenbricht und am Strassenrand liegt. Was ich dabei besonders schwierig finde, ist die Regelung zur Hilfe von aussen. Wenn wir Athleten Hilfe von aussen annehmen, kann das zur Disqualifikation führen. Meiner Meinung nach müsste es eine Regel geben, die Hilfe erlaubt, sobald eine Situation wirklich gefährlich wird. Da sollte die Gesundheit doch wichtiger sein als das Rennergebnis.
Ich spreche aber auch mit Leuten, die genau das gut finden und sagen: «Das ist eben Kona.» Ja, wow. Es ist Kona, unser grösstes Rennen. Aber wenn so viele Athleten unter der Hitze leiden und teilweise ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, frage ich mich schon, ob das wirklich das ist, was unseren Sport ausmachen soll. Auf der anderen Seite muss ich auch sagen, dass ich mir keine abschliessende Meinung bilden kann, denn ich war selbst noch nie dort. Wer einen Ironman in Kona macht, weiss aber, dass es kein einfaches Rennen wird. Die Bedingungen mitten im Pazifik sind extrem und dein Warum muss ziemlich gross sein, um dort an den Start zu gehen. Und über das Finanzielle müssen wir eigentlich gar nicht erst sprechen. Die Leute geben unglaublich viel Geld aus, um überhaupt nach Kona zu reisen und dort ein Rennen zu machen.
Bathurst 1000 das andere grosse Rennen
Kommen wir zum anderen Rennen, das am vergangenen Wochenende hier in Australien stattfand. Für alle, die mit Motorsport nicht so viel anfangen können, versuche ich es kurz zu erklären. Die Supercars sind eine grosse professionelle Rennserie hier in Australien. Die meisten Rennen dauern ungefähr eineinhalb Stunden, also ähnlich wie in der Formel 1. Einmal im Jahr gibt es aber ein ganz besonderes Rennen: das Bathurst 1000. Es ist das grösste und geschichtsträchtigste Rennen dieser Serie. Gefahren wird auf einer legendären Strecke von etwas über sechs Kilometern, die unter anderem über einen Berg führt. Und das Ganze über 1000 Kilometer. Wer Bathurst gewinnt, hat in diesem Sport wirklich etwas Grosses erreicht. Der Sieg bedeutet unglaublich viel, weil dieses Rennen so viel Geschichte hat und in Australien einen enormen Stellenwert besitzt. Ich hoffe, ich habe das einigermassen verständlich erklärt. Ansonsten könnt ihr Bathurst 1000 gerne einmal googeln.
Das Rennen am Sonntag war, wenn ihr mich fragt, lange ziemlich langweilig. Es gab genau einmal ein Safety Car, und das erst ungefähr acht Runden vor Schluss. Was man allerdings nicht wusste: Der Führende hatte nur noch sehr wenig Benzin im Tank. Das Team glaubte aber, dass es bis ins Ziel reichen würde. Tja, glauben und wissen sind eben zwei verschiedene Dinge. In der letzten Runde blieb das führende Auto tatsächlich ohne Benzin stehen und der Zweitplatzierte gewann plötzlich dieses geschichtsträchtige Rennen. Aus einem eher langweiligen Rennen wurde also doch noch ein ziemlich spannendes Finale.
Was für viele von euch in Europa wahrscheinlich fast unvorstellbar ist: Tausende Menschen reisen für dieses Rennen nach Bathurst und campieren direkt am Berg entlang der Rennstrecke. Einige kommen sogar schon früher, um das Bier zu vergraben, das sie für die vier Tage Rennwochenende brauchen. Und ja, das ist wirklich so. Paul und sein Sohn Alex waren vor Ort. Ich kannte also sogar Leute, die mitten in diesem ganzen Spektakel dabei waren. Ich werde sie fragen, ob ich ein Bild von ihrem Campingplatz posten darf. Nach allem, was ich gehört habe, auch von Emmas Eltern, muss dort eine unglaubliche Stimmung geherrscht haben. Trotzdem muss ich sagen: Wenn ich die Wahl hätte, würde ich wohl eher nach Kona reisen als nach Bathurst.

Training, Arbeit und mein Fuss
Was ist sonst noch passiert diese Woche? Ich muss sagen, ausser Training und Arbeit komme ich momentan nicht zu besonders viel. Aber ehrlich gesagt vermisse ich auch nichts. Ich mache gerade ziemlich genau das, was ich machen möchte. Auch wenn manche Tage morgens um 4:40 Uhr beginnen und erst gegen 17 Uhr wirklich fertig sind, habe ich viel Freude an meiner Arbeit. Was mir dabei am meisten hilft, ist das Wissen, dass ich eine Einkommensquelle habe und gleichzeitig etwas mache, das mir momentan wirklich Spass macht. Manchmal komme ich sogar mit mehr Energie nach Hause, als ich bei der Arbeit gebraucht habe.
Natürlich kann ich euch auch noch etwas über meinen Fuss erzählen. Klingt vielleicht etwas komisch, aber ihr wisst ja, dass mich dieses Thema in den letzten Wochen ziemlich beschäftigt hat und ich immer noch daran arbeite, wieder ganz fit zu werden. Momentan steigere ich den Laufumfang Schritt für Schritt und bringe langsam auch wieder etwas Intensität ins Training. Das Spezielle an dieser Verletzung ist, dass ich umso weniger spüre, je besser der Fuss aufgewärmt ist. Trotzdem bedeutet das natürlich nicht, dass ich ihn einfach immer weiter belasten sollte. Schliesslich muss die Plantarfaszie auch genügend Zeit bekommen, um sich vollständig zu erholen. Viel mehr gibt es dazu momentan eigentlich nicht zu sagen. Ich mache weiterhin jeden Tag fleissig meine Übungen und gehe regelmässig ins Gym für mein Krafttraining. Das hilft nicht nur bei der Rehabilitation, sondern ist natürlich auch wichtig, um zukünftigen Verletzungen vorzubeugen.
Glück gehabt mit dem Wasser
Eine letzte Geschichte habe ich aber noch. Und bei der hatte ich wirklich Glück. Ich mache meine Intervalle auf dem Rad ziemlich häufig in Boreen Point. Das ist ein kleiner Ort ungefähr 30 Kilometer ausserhalb von Noosa. Dort gibt es ein Café, einen kleinen Shop und, wie ich seit diesem Wochenende weiss, zum Glück auch einen Campingplatz. Ausserdem liegt Boreen Point direkt an einem See, auf dem immer wieder Leute segeln. Auf dem Heimweg halte ich deshalb gerne dort an, kaufe mir etwas zu trinken und schaue den Segelbooten auf dem Wasser zu. Besonders die kleinen Jollen erinnern mich immer wieder an meine eigene Zeit als Segler. Auch wenn ich heute Triathlet bin, bin ich im Herzen wohl immer noch ein bisschen Segler.
Normalerweise kaufe ich beim Shop Wasser, setze mich kurz hin und geniesse es, den Booten zuzuschauen. An diesem Samstagnachmittag war allerdings alles geschlossen. Mein erster Gedanke war: Oh nein, das könnte jetzt ziemlich unangenehm werden. Ich brauchte dringend Wasser für den Heimweg. Also fragte ich ein paar Leute auf der Strasse, ob sie wüssten, wo ich Wasser bekommen könnte. Dabei stellte sich heraus, dass die Wasserversorgung im Ort gerade abgestellt war. Super. Zum Glück traf ich aber eine nette Frau, die mir weiterhalf. Sie erklärte mir, dass es etwas weiter unten an der Strasse einen Campingplatz gebe und ich dort nach Wasser fragen sollte.

Gesagt, getan. Also fuhr ich die Strasse hinunter zum Campingplatz und konnte dort durch ein Fenster jemanden fragen, ob sie Wasser hätten. Und zum Glück hatten sie welches. Nicht nur das, ich bekam sogar noch ein Sprite dazu, das in diesem Moment unglaublich gut schmeckte. So sass ich schliesslich im Schatten auf dem Campingplatz, trank mein Wasser und mein Sprite und war einfach froh, dass ich nun problemlos nach Hause fahren konnte. Und ganz nebenbei weiss ich jetzt auch noch einen weiteren Ort, an dem ich diesen Sommer bestimmt wieder einmal vorbeischauen werde.
Mit diesem Happy End verabschiede ich mich für diese Woche.
Wir lesen uns nächste Woche.
Cyrill


