top of page

Wochen News Nummer 11

  • vor 18 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit

11 Wochen später und da melde ich mich aus dem Flugzeug zurück nach Noosa. Ich weiss nicht, ob ich chronologisch starten soll oder einfach sagen: okey, so habe ich mir das nicht vorgestellt. Wenn ich jedoch Zeit habe und das alles nochmals lese, weiss ich auch, wieso es so endete, denn in Wirklichkeit hatte ich wahrscheinlich drei Wochen gutes Training und Momentum mit Kurt.


Jetzt geht es zurück, ich baue wieder Momentum auf und dann sehen wir, ob ich in sechs Wochen in Sydney besser sein werde. Zuerst muss ich aber schauen, ob ich den Flug bis zu dem Rennen überhaupt bezahlen kann, aber das ist dann ein Zukunfts-Cyrill Problem.


Wir starten dort, wo die Woche beginnt: Montag, Raceweek für Geelong 70.3. Ein Ort, an dem ich mich letztes Jahr sofort wohlgefühlt habe, also war für mich klar, dass ich da wieder starten werde. Der Einstieg in die Rennwoche war eher zäh, mehr Erholung als alles andere. Gleichzeitig wusste ich genau, dass das gut ist, denn wäre ich jetzt zu frisch, wäre es definitiv zu früh. Am Dienstag habe ich nur locker trainiert und auf meinen Körper gehört.


Im Pool habe ich ein Set gemacht, das ich in der Rennwoche sehr mag: die bekannten 40x50 von Brett Sutton. Nach diesen 2km hatte ich ein richtig gutes Gefühl und aus vergangenen Sessions weiss ich, dass meine Schwimmform da ist. Die einzige Frage bleibt, ob ich sie auch im Rennen zeigen kann.


Neben dem Training ging es darum, das Rad zu organisieren und alles für das Rennen vorzubereiten. Ich bin alles nochmals durchgegangen und habe geschaut, ob alles intakt und ready ist. Phasenweise war ich in der Rennwoche ziemlich nervös, gleichzeitig habe ich mich aber auch sehr gefreut. Ich wusste nur nicht genau, was ich vom Rennen erwarten soll. Ich habe viel Tempotraining gemacht, jedoch nichts wirklich rennspezifisches, was ich aber langfristig als besseren Weg sehe. Mein Ziel ist klar: Ich möchte Ende Jahr fit sein und nicht jetzt. Wenn ich nach Europa komme, will ich dann stark sein, wenn andere nachlassen – und ich glaube, dafür bin ich auf dem richtigen Weg.


Am Mittwoch fühlte ich mich auf dem Weg nach Geelong dann wie ein Postbote. Im Gepäck hatte ich ein zweites Rad und viele Kleider für verschiedene Athleten, die ebenfalls an der Startlinie stehen. Das bedeutete etwas mehr Koordination und Organisation, was am Ende aber alles aufging. Alles kam in Melbourne am Flughafen an und wir konnten vielen Athleten eine Freude machen.


Mein eigenes Rad habe ich direkt am Morgen verpackt, um Stress zu vermeiden und alles sauber vorbereitet zu haben. Ich war ehrlich gesagt stolz darauf, wie gut ich organisiert war und wie entspannt ich das Ganze mittlerweile nehme, auch wenn mal etwas nicht nach Plan läuft. Denn wenn Schweizer in etwas gut sind, dann ist es Pläne machen. Und noch besser darin sind sie, wenn etwas nicht nach Plan läuft, sofort ein ganzes ABC an Alternativen zu haben. Genau das habe ich zum Glück nicht mehr. Manchmal nervt mich das sogar ein wenig, weil man dabei vergisst, dass sich Dinge oft auch einfach entwickeln können.


Der Reisetag kam, und wie immer passierten dabei 1000 ungeplante Dinge. Wir sind mit Verspätung Richtung Melbourne abgeflogen, weil es Nebel hatte und Flieger umgeleitet werden mussten. So landeten wir ohne Debbie, Emmas Mum, die aus Neuseeland anreisen wollte – aber wir wussten, am nächsten Tag sollte sie ankommen.


Am Flughafen haben wir dann noch ein grösseres Auto gemietet, was dazu führte, dass wir kurz den American Dream lebten. Nachdem ich das Auto jedoch ein paar Tage gefahren bin, auch durch enge Parkhäuser und Lifte, muss ich sagen: dieser Ford Everest ist als Triathlet einfach perfekt. Alles Gepäck und drei Personen hatten locker Platz und wir waren bereit für die Fahrt nach Geelong.


Das Highlight des Tages war für mich aber etwas ganz anderes: das Wiedersehen mit meiner Mum. Wir haben uns seit September nicht mehr gesehen und trotzdem war es, als hätten wir uns gestern verabschiedet. Man muss nicht viel sprechen und weiss trotzdem immer, was der andere denkt. Ich finde das unglaublich schön und auch speziell, wie stark diese Verbindung bleibt. Schön, bist du hier Mum.


Auf dem Weg konnte ich noch meinen neuen Helm abholen, den ich fürs Rennen mit Hilfe meines Bikefitters bekommen habe. Ich muss sagen, ich verstehe jetzt, warum so viele diesen Rudy Helm fahren – ich denke wirklich, der ist verdammt gut.


Mit der Ankunft in Clifton Springs, demselben Ort wie letztes Jahr, fühlte ich mich sofort wohl. Auch die letzten Einheiten gaben mir ein gutes Gefühl, dass der Sonntag gut werden kann.

Der Freitagmorgen begann mit Kurt auf dem Radkurs. Nach seinem Fotoshooting sind wir zusammen gefahren und ich habe mich dabei richtig gut gefühlt. In dem Moment wusste ich: das Tapering hat funktioniert, vielleicht sogar besser als letztes Jahr.


Wir haben eine Einheit mit 4x2 Minuten gemacht, von 180 bis 320 Watt sauber gesteigert, und danach gab es noch einen Kaffee mit Kurt und unserer Reisegruppe. Später bin ich noch ins Meer gesprungen, um den geliehenen Neo zu testen, und hatte sofort das Gefühl, dass er sogar schneller ist als meine eigenen. Auch im Wasser fühlte ich mich richtig gut.


Der Rest des Nachmittags war entspannt. Haribo essen, runterfahren und einfach mal die Sonne meiden.


Der Renntag – alles auf dem Tisch

Die Tage vor dem Rennen sind vom Training her entspannt, das stimmt. Von der Organisation her jedoch nicht. Ich stehe bewusst ohne Wecker auf, damit ich meinem Körper genau den Schlaf geben kann, den er braucht. Danach ist das Wichtigste: essen und Kohlenhydrate laden.


Am Morgen habe ich noch eine kurze Einheit gemacht, Rad und Laufen kombiniert. Auf dem Rad 4x15 Sekunden Sprints, beim Laufen kurze Pace-Steigerungen. Und wie immer, wenn man erholt ist, fühlt sich alles leicht an.


Zurück zu Hause habe ich wieder gegessen, meine Sachen gepackt, Pasta gekocht und bin dann zum Pro Briefing und Bike Check-in gegangen. Ich versuche alles effizient zu halten, aber ich kann einfach nicht nein sagen, wenn Leute mit mir sprechen wollen. Vor allem ältere Leute, die sich für den Sport interessieren, das freut mich immer extrem.


Dann war er da, der Renntag. Der Tag der Wahrheit. Ich bin um 4:20 aufgestanden, was sich eigentlich gar nicht so schlimm anfühlte. Der Morgen war ruhig: Kaffee, Frühstück und dann ging es nach Geelong. Dort angekommen bin ich direkt in die Wechselzone, habe mein Rad vorbereitet, alles nochmals kontrolliert und die letzten Details gemacht. Baby-Puder in die Schuhe und dann war alles bereit.


Warm-up, ein bisschen Joggen, Lauf-ABC und noch kurz sitzen und reden, dann geht plötzlich alles schnell. Neopren an und ab ins Wasser – und sofort wusste ich: das Wassergefühl ist da. Ich hatte einen sauberen Start ohne viel Gerangel und war zufrieden mit meiner Schwimmleistung. Als ich neben Blummenfelt schwamm, wusste ich, ich bin gut dabei. Das Schwimmen in Geelong ist relativ entspannt und kommt fast dem Poolschwimmen nahe. Man kann sich gut einordnen und direkt an die Füsse gehen. Der Wechsel vom Wasser aufs Rad ist für mich immer eine Challenge, sobald man horizontal wird, geht der Puls hoch.


Auf dem Rad wollte ich zuerst in eine Gruppe kommen, aber durch die 20m Regel ist das kaum möglich. Am Ende bin ich das ganze Rennen allein gefahren. Mein Powermeter hat gar nicht gestimmt, also bin ich komplett nach Gefühl gefahren. Nach etwa einer Stunde merkte ich, dass das heute hart wird, und nach 70km hat es mir dann ordentlich den Stecker gezogen. Ich hatte etwa 130g Carbs pro Stunde, das hat sich gut angefühlt. Was ich jedoch vernachlässigt habe, war genug Wasser zu nehmen, weil die Aid Stations teilweise zu gefährlich waren. Das Positivste, das ich mitnehme, ist wie präsent ich im Rennen war – ich war die ganze Zeit im Hier und Jetzt.


Beim Laufen ging dann nicht mehr viel. Magenkrämpfe, schwere Beine, ich habe einfach gemacht, was ich konnte und mich ins Ziel gebracht. Es gab Abschnitte, wo ich wieder laufen konnte, und andere, wo ich gehen musste. Mit viel Wasser konnte ich mich immer wieder stabilisieren und weitergehen.


Lauf Kurs Ironman 70.3 Geelong
Laufkurs Geelong 70.3

Nach dem Rennen – Realität, Gedanken und Motivation

Im Ziel war ich zuerst enttäuscht, das gehört dazu. Meine drei Supporter haben mich dann direkt mitgenommen, Burger essen, und das ist immer eine gute Entscheidung. Danach ging es zurück, Bike holen, Material checken und ins AirBnB.


Ich war komplett müde, aber ich wusste, wenn ich mich jetzt hinsetze, wird es nur schlimmer. Also habe ich alles direkt erledigt: ausladen, waschen, sortieren und das Rad auseinanderbauen. Wer das kennt, weiss genau, wie hart das ist. Aber wenn alles erledigt ist, fühlt es sich einfach gut an.


Am Abend haben wir dann noch ein BBQ gemacht. Fleisch einkaufen, Grill anwerfen und den Tag gemeinsam abschliessen. Ein richtig schöner Abschluss nach einem intensiven Rennen. Geelong, ich war nicht das letzte Mal hier.


Ich möchte mich bei Emma, meiner Mum und Debbie bedanken, dass sie das ganze Wochenende da waren und mich unterstützt haben. Das bedeutet mir sehr viel. Und auch euch, die die letzten 11 Wochen mitgelesen haben: danke für eure Zeit. Ich habe es immer genossen, meine Gedanken aufzuschreiben.

Ich werde die Serie definitiv fortsetzen. Ich glaube, das wird ein Tagebuch, in das ich immer wieder zurückschauen werde.


Danke und wir lesen uns.

Cyrill

 

 
 
bottom of page