Wochen News Nummer 17
- 7. Mai
- 5 Min. Lesezeit
Zwischen Krankheit und Rennform
Die Woche war ein Jonglieren zwischen performen und wieder fit werden nach der Krankheit, die ich zu Beginn der Woche hatte. Einen Satz habe ich diese Woche gehört, der wahrscheinlich auf alle zutrifft, die viel trainieren und den ich auch für mein Coaching im Hinterkopf behalten werde: Man ist immer nur zehn Tage vom Disaster oder von der Höchstform entfernt.
Überspitzt gesagt habe ich es geschafft, das Disaster noch in Richtung Höchstform zu drehen. Ideal nach Lehrbuch war es aber definitiv nicht. Gerade im Schwimmen habe ich dafür bezahlt, aber dazu später mehr.
Montag und Dienstag habe ich komplett pausiert. Ich wollte mich nicht einmal gross mit dem Rennen beschäftigen, damit ich mir selber keinen unnötigen Druck mache. Obwohl ich mich am Mittwoch noch nicht ganz fit fühlte, ging ich locker aufs Rad und schwamm 2 km im Pool. Ich merke aktuell, dass ich in richtig guter Schwimmform bin. Damit ich dieses Niveau halten kann, muss ich aber regelmässig ins Wasser. Der Mix aus zwei JR-Einheiten und den lockeren Sessions von Kurt funktioniert für mich momentan sehr gut und ist sicher etwas, woran ich für die nächsten Rennen weiterarbeiten werde.
Ansonsten lief nicht viel ausser den Kurs studieren, Material checken und alles vorbereiten. Verändert habe ich aber nichts. Natürlich träume ich manchmal von einem neuen Cockpit oder einem neuen Rennanzug. Aber am Ende weiss ich, dass ich mit meinem aktuellen Setup noch am meisten herausholen kann einfach durchs Training. Genau das hat mir der Sonntag gezeigt: Zwischen den beiden Rennen bin ich nur durchs Training fast 20 Minuten schneller geworden.
Dazu investiere ich meine Zeit aktuell sehr gerne ins Coaching. Ich kann etwas vom Triathlon zurückgeben und gleichzeitig etwas unabhängiger werden, wenn ich damit auch etwas verdiene.
Holly sagte diese Woche etwas, das sehr wahr ist: Triathlon wurde immer mehr zu einer Selbstoptimierungs-Sportart. Wenn man heutzutage nicht überall investieren kann, wird es schwierig, an die absolute Weltspitze zu kommen. Für all diese Optimierungen fehlen mir aktuell einfach die Mittel. Aber ich glaube trotzdem, dass ich bei lokalen Rennen wie hier in Western Sydney vorne mitmischen kann. Genau darauf konzentriere ich mich im Moment: das Beste aus den Möglichkeiten und dem Umfeld zu machen, das ich habe.
Rennwochen-Modus
Am Freitag stand dann die Reise nach Sydney an. Wie immer bei Emma und mir verlief eigentlich alles entspannt – bis wir plötzlich Spinnen im und am Auto sahen. Das hat unseren Puls kurz etwas erhöht und ich träume wahrscheinlich heute noch von diesen Tieren.
Dazu kam, dass ich das Auto am internationalen Flughafen gebucht hatte statt am nationalen. Zum Glück konnten wir das unkompliziert lösen und direkt vor Ort ein neues Auto mieten. Danach ging es Richtung Penrith im Westen von Sydney. Perfekt für Triathlon, aber sonst muss man den Ort wahrscheinlich nicht unbedingt gesehen haben.
Der Samstag war komplett auf möglichst wenig Stress ausgelegt. Ich hatte am Abend davor alles genau durchgeplant, damit der Renntag ruhig startet. Am Morgen fuhr ich eine Runde auf dem Kurs. Da alles sehr flach war, wusste ich sofort: Das wird ein schnelles Rennen.
Auf dem Rad machte ich nur 4x15 Sekunden hart, der Rest war lockeres Pedalieren. Danach lief ich noch 20 Minuten mit kurzen Steigerungen. Damit war die Vorbelastung abgeschlossen. Schwimmen gehe ich am Tag davor meistens nicht mehr. Oft ist mir der Aufwand grösser als der Nutzen. Lieber richtig essen, entspannen und ruhig bleiben.
Am Nachmittag standen dann das Briefing, Bike Check-in und die Startunterlagen auf dem Programm. Da aber alles reibungslos lief, konnte ich den Abend komplett stressfrei verbringen. Und ich glaube genau das ist extrem wichtig vor einem Rennen. Probleme kommen sowieso entscheidend ist einfach, wie man damit umgeht.
Ein richtig guter Renntag
Dann kam endlich der Sonntag. Und ich muss ehrlich sagen: Dieser Tag hat mir ein riesiges Lachen aufs Gesicht gezaubert. Über einen 25. Platz habe ich mich fast mehr gefreut als über einen Sieg.
Der Wecker klingelte um 3:45 Uhr. Auch wenn ich weiss, dass ich die Stunden vor dem Start nie wirklich mag, freue ich mich trotzdem immer aufs Aufstehen. Nervös bin ich meistens nur bis ich das Hotel verlasse. Danach beginnt der Prozess und man arbeitet sich Schritt für Schritt durch den Morgen.

Wir waren früh in der Wechselzone, damit ich alles in Ruhe vorbereiten konnte. Genau das mag ich keinen Stress haben und alles sauber durchgehen. Danach machte ich meinen gewohnten kurzen Lauf mit Lauf-ABC und ein paar Steigerungen, bevor es in den Neopren und Richtung Start ging.
Im Wasser fühlte ich mich eigentlich sehr gut und dachte schon beim Einschwimmen: Heute könnte ein richtig guter Tag werden. Mein Plan war, möglichst schnell an die Füsse von Cameron Wurf zu kommen, weil ich wusste, dass er aktuell extrem stark schwimmt. Doch meine Arme machten ziemlich schnell zu und ich hatte das Gefühl, dass das Laktat überhaupt nicht verarbeitet werden konnte. Also kam ich mit einer etwas langsameren Gruppe aus dem Wasser.
Trotzdem wusste ich: Unter den Umständen habe ich im Schwimmen das Maximum herausgeholt. Ohne Krankheit hätte ich sicher mehr Zeit im Wasser verbracht und wahrscheinlich die Geschwindigkeit gehabt, um dort mitzuschwimmen. Aber so war es eben nicht. Also hiess es ruhig bleiben und mein Rennen auf dem Rad fahren.
Und genau dort hatte ich ein richtig gutes Gefühl. Ich stieg vom Rad und wusste: Heute könnte auch der Lauf etwas werden. Die ersten Kilometer brauchte ich etwas, um in den Rhythmus zu kommen, aber danach ging der Schritt richtig auf. Zum ersten Mal seit langer Zeit konnte ich wieder Leute überholen und hatte ein mega Erlebnis auf der Laufstrecke.
An einem guten Tag kann man unglaublich lange genau an dieser Linie racen, bevor es kippt. Solange Energie reinkommt, kann man den Effort erstaunlich lange halten. Aber auch für mich werden die letzten Kilometer brutal hart. Ich kann heute noch sagen, dass ich wirklich alles gegeben habe. Ich bin komplett müde und die Beine sind schwer. Aber genau mit diesem Gefühl geht man viel leichter in den nächsten Trainingsblock.
Was jetzt kommt
Viele fragen mich aktuell, ob ich bald wieder in Europa an der Startlinie stehen werde. Durch das Visa hier verändern sich die Pläne aber immer wieder und vieles hängt davon ab, wie sich das entwickelt.
Was ich weiss: Ein langer Trainingsblock schadet nie, um das Niveau nochmals anzuheben und im September ready zu sein. Es gäbe Ende Juli noch die Möglichkeit, in Airlie Beach ein Rennen zu machen. Aber aktuell weiss ich noch nicht, ob ich das Geld dafür ausgeben möchte, weil dort Hochsaison ist und alles ziemlich teuer wird.
Ansonsten wäre Mitte September der 70.3 Sunshine Coast eine richtig coole Option. Bis dahin werde ich nach einer kurzen Pause wieder in einen grossen Trainingsblock starten so motiviert wie lange nicht mehr. Denn aktuell habe ich extrem Lust, Rennen zu machen und zu zeigen, was ich drauf habe.
Und genau deshalb gehen wir jetzt gemeinsam in die nächsten Wochen und schauen, wohin die Reise geht. Natürlich heisst das auch, dass die Blogs weitergehen und ich weiterhin zeige, was ich hier mache. Gleichzeitig probiere ich auch mein Coaching langsam weiter auszubauen.
Eine gute Restwoche euch allen.Ich geniesse den Herbst und ihr den Frühling.
Cyrill


