Wochen News Nummer 19
- vor 1 Tag
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Zwischen Frust und Geduld
Die letzte Woche war wie meine Lieblings-Haribo-Packung der Starmix. Man weiss nie genau, was man bekommt. Der Unterschied ist nur: Bei Haribo bekommt man wenigstens Zucker, im echten Leben ist nicht immer alles süss.
Nachdem ich das Wochenende ruhig gestaltet hatte, dachte ich eigentlich, ich sei langsam wieder fitter. Schnell merkte ich aber: ganz so war es nicht. Also drehte ich nochmals eine Runde mit Müdigkeit und dem Gefühl, noch nicht komplett von der Krankheit erholt zu sein.
In solchen Momenten wünsche ich mir manchmal fast, ich wäre ein klassischer Büro-Mensch mit einem gut bezahlten Job, bei dem es keine grosse Rolle spielt, ob man eine Woche lang nur 70% statt 100% gibt. Der Zahltag kommt sowieso.
Für uns, bei denen der Körper gleichzeitig Werkzeug, Kapital und Leidenschaft ist, fühlt sich das jedoch anders an. Wenn man sich gerne bewegt und der Sport ein riesiger Teil vom Alltag ist, wird so eine Phase schnell frustrierend.
Aber Frust bringt am Ende halt trotzdem nichts. Auch wenn es dieses Mal etwas länger gedauert hat, den Kopf wieder zu drehen. Was zählt ist, dass man sich die Zeit gibt, wirklich wieder ready zu werden. Denn der Körper sagt einem meistens ziemlich genau, was gerade Sache ist.
Darum habe ich mir Ende Woche auch einen Arzttermin organisiert, um wieder einmal mein Blut checken zu lassen. Und wie immer merkt man: Solche Dinge sind viel einfacher, wenn man zuhause im gewohnten Umfeld ist. Hier wurde selbst der Arztbesuch irgendwie zu einer kleinen Mission. Aber wenn schon, dann richtig. Also habe ich den Termin organisiert – und was dort genau passiert ist, kann ich wahrscheinlich nächste Woche erzählen. Sagen wir es so: Das Bild und die Geschichten über Ärzte hier haben sich definitiv bestätigt. Vielleicht muss ich wirklich mal Roland fragen, welcher Arzt hier Ahnung von Sportlern hat.
Kleine Dinge, die helfen
Trotzdem gab es auch einige positive Dinge diese Woche. Eines davon war wieder mein Gravel Bike. Ich sprang diese Woche dreimal locker aufs Rad und fuhr einfach entspannt herum. Auch wenn ich es aktuell meistens auf der Strasse benutze, ist dieses Bike einfach genial.
Man sitzt bequem drauf, kann problemlos über Schotter oder schlechte Strassen fahren und hat nie das Gefühl, dass die Autos zu nahe vorbeiziehen. Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Wochen, denn ich weiss bereits: Meine Longrides werde ich grösstenteils auf dem Gravel Bike machen. Wahrscheinlich weiterhin mehrheitlich auf der Strasse aber einfach die Möglichkeit zu haben, jederzeit auf Kieswege abzubiegen, ist perfekt.
Ein weiterer positiver Punkt war Pilates. Es macht mir extrem Spass, zweimal pro Woche komplett aus der eigenen Sport-Bubble rauszukommen und etwas mit anderen Leuten zu machen.
Denn normalerweise trainiert man fast nur mit Leuten, die extrem fit sind, und verliert dadurch manchmal etwas die Realität dafür, wie sich „normale“ Menschen bewegen oder fühlen. Genau deshalb finde ich Pilates aktuell so cool. Jeder gibt einfach das Beste, was er gerade kann. Und weil alle die gleiche Übung machen, kann man sich auch komplett hineinversetzen, wie sich die anderen gerade fühlen besonders wenn der Nachbar neben dir genau gleich das Gesicht verzieht wie du selbst.
Steak, Gespräche und Perspektiven
Noch eine positive Geschichte auch wenn sie vielleicht etwas speziell ist. Aber wie ihr merkt: Selbst wenn nicht alles rund läuft, versuche ich bewusst möglichst viele positive Dinge wahrzunehmen, damit ich wieder in eine gute Spirale komme.
Und eines dieser Dinge war mal wieder der Grill.
Ich kaufte ein ziemlich dickes Stück Fleisch und wie ihr wisst, ist meine Leidenschaft gross, wenn es darum geht, das perfekt hinzubekommen. Ich glaube aber, dass ich diesmal wieder etwas gelernt habe und bereits weiss, was ich beim nächsten Mal anders probieren möchte.
Diesmal habe ich das Fleisch zuerst auf beiden Seiten scharf angebraten und danach bei ungefähr 160 Grad langsam fertig gegart. Das Resultat war wieder richtig gut. Trotzdem glaube ich mittlerweile, dass man bei einem so dicken Stück Fleisch das starke Anbraten am Anfang vielleicht gar nicht braucht. Durch die lange Zeit auf dem Grill wird es sowieso knusprig genug. Nach meiner Logik könnte man das scharfe Anbraten auch ganz am Schluss machen, falls nötig.
Mein Coaching-Tipp der Woche ist übrigens etwas, das ich meinen Athleten oft sage und auch von anderen Profiathleten immer wieder höre:
Wenn es dir nicht 100% gut geht – egal in welchem Bereich – dann mach etwas, das nichts mit Sport zu tun hat.
Genau das habe ich am Freitag gemacht. Ich ging mit einer Kollegin, die ich hier schon lange kenne, an den Strand und danach noch etwas essen und Kaffee trinken.

Und genau solche Dinge helfen extrem. Man bekommt wieder eine andere Perspektive auf die Welt und merkt, womit sich andere Menschen gerade beschäftigen. Dadurch relativiert sich vieles im eigenen Kopf plötzlich wieder und man merkt: Eigentlich ist gar nicht alles so schlimm, wie man es sich manchmal selbst zusammenbaut.
Blick nach vorne
Also genug Grill- und Philosophiegeschichten für diese Woche.
Ich hoffe, dass ich nächste Woche wieder etwas mehr aus dem Training erzählen kann – und natürlich auch davon, was beim Arzt herauskam. Keine Sorge: Alles gut. Und vor allem fühle ich mich motiviert, wieder richtig zu trainieren.
Was ich ausserdem gerne machen möchte, ist ein Reel mit Voice-over auf Instagram, damit ich euch etwas mehr in meinen Trainingsblock hier auf der anderen Seite der Erde mitnehmen kann.
Aber eines bleibt für mich immer klar: Training und Coaching haben Vorrang, bevor alles andere in der Woche kommt.
Wir lesen uns nächste Woche.
Cyrill


