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Wochen News Nummer 2

  • Autorenbild: Cyrill Knechtle
    Cyrill Knechtle
  • vor 4 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Der Start in die neue Woche begann mit dem Kommando:„Na, du schwimmst jetzt auf der 1:25 ab Bahn.“

Alles klar. Ich packte meine Sachen und ging rüber auf die Bahn. Ich stellte mich hinten an und gab mein Bestes für das Set.

Was bedeutet 1:25 ab für Leute, die nie an einem Pool gross geworden sind?Das bedeutet, dass jede Abgangszeit auf 1 Minute und 25 Sekunden pro 100 Meter berechnet ist. Also werden 200 Meter in 2 Minuten und 50 Sekunden abgeschwommen.

Nach den ersten paar 400-Meter-Wiederholungen dachte ich: „Na, nicht heute.“Ich stoppte kurz und resettete meine negativen Gedanken. Als ich an der Wand trank und einen Gel nahm, fragte mich JR:„Wieso stoppst du?“

Ich sagte, ich hätte seit dem 100×100-Set so schwere Schultern und würde das Wasser nicht fühlen.Er reagierte ganz ruhig und machte genau das, was er am besten kann: situativ fühlen, was man braucht. Er sagte nur:„Schwimm einfach!“

Ich wollte etwas erwidern, doch er sagte erneut:„Just swim.“

Am Ende sagte er mir, es sei egal, wenn ich scheitere. Das Wichtigste sei, es immer und immer wieder zu versuchen.Glaub mir, JR kann auch anders sein, wenn man mit letzter Kraft ankommt und er einen anfeuert, weiterzuschwimmen.


Trip nach Neuseeland

Dieses Wochenende heisst es für mich zum ersten Mal, jemanden bei einem Triathlon zu coachen. Dafür bin ich nach Neuseeland geflogen. Aufgrund der Zeitverschiebung geht ziemlich genau ein Tag drauf, um von Noosa nach Auckland zu reisen – auch wenn es super einfach ist.

Am Mittwoch habe ich zum ersten Mal ein Schwimmbecken in Auckland besucht. Das wurde zu einem einmaligen Erlebnis, da die Wassertemperatur 31 Grad betrug.Am Ausgang habe ich mit einem der Kassierer gesprochen, und er sagte:„Oh ja, wir haben Probleme mit der neuen Anlage. Wir müssen noch herausfinden, wie wir das am besten lösen, damit es nicht zu heiss wird.“

Danach hatte ich den ganzen Nachmittag das Gefühl, immer noch in einem Dampfbad zu sein.


Blick auf Stadt Auckland

  

Wie organisiere ich das Training diese Woche?

Ich mache, was ich für locker halte, und schaue jeden Tag, wofür ich Zeit habe. Ich habe einen groben Plan im Kopf, was ich machen will, kann aber noch nicht genau sagen, was ich effektiv machen kann, da es davon abhängt, wo wir hingehen.

Das Gute ist, dass ich in Neuseeland alle Tools zum Trainieren habe und alles mit nach Tauranga kommt. Ich hoffe, das neuseeländische Wetter spielt die nächsten Tage mit. So kann ich am Freitag in Tauranga draussen Rad fahren und sehen, wo Hannah Berry trainiert.

Was ich gerne machen möchte, ist am Freitag eine Lauf-Session:3 min ON / 2 min RECOVERY.Die ON-Pace sollte für mich bei sub 170 HR liegen, also etwas unter der Schwelle. Wie immer mache ich zwischen sechs und acht Wiederholungen – je nachdem, wie ich mich fühle.

Ein anderes Highlight der Woche war, dass ich spontan in ein Fitnessstudio in Auckland ging. Ryan, der Coach des Gyms, hat uns richtig gequält – aber auf eine lustige Art und Weise. Ich habe Übungen gemacht, die ich noch nie gemacht habe. Ich glaube, der Muskelkater wird gross sein.

Wir haben zu dritt immer einen Zirkel mit drei Stationen gemacht. Die Übungen waren zum Beispiel Wallballs, auf eine Box hochsteigen und als letzte Station auf dem Wind Trainer. Und das Ganze drei Mal durch, ohne wirklich eine Pause zu machen.


Tauranga

Sport bringt Menschen zusammen. Bei meinem Lauf hier habe ich zufällig einen Läufer getroffen, mit dem ich dann zusammen gelaufen bin. Danach stellte sich heraus, dass er ein Profi-Triathlet ist und das Rennen in Walchsee genauso liebt wie ich.

Spontan bin ich mit ihm mitgelaufen, und wir sind zusammen auf den Mount Maunganui, den lokalen Berg, gelaufen. Er ist stolze 240 Meter hoch. Mich fasziniert immer wieder, dass man einfach Leute trifft und nach ein paar Minuten schon Geschichten austauscht.

Am selben Nachmittag habe ich dann zum ersten Mal erfahren, wie rau die Strassen in Neuseeland sind. Ich bin hinaus ins Grüne gefahren und habe die Umgebung von Tauranga erkundet. Immer wieder habe ich Kiwi-Farmen gesehen, aber kaum Autos. Darum gibt es auch nicht wirklich viel zu erzählen. Das Radfahren ist flach, aber sehr schön, wenn man keinen Autos begegnet.


Blick vom Maunt Maunganui

Der erste Sieg als Coach

Am Renntag klingelte der Wecker um 4 Uhr. Ich war nicht wirklich müde. Ich war nicht nervös, aber angespannt. Denn wie immer gehört auch ein bisschen Glück dazu, um das zu gewinnen. Oder wie Beckenbauer sagt:„Erfolg ist wie ein scheues Reh. Der Wind muss stimmen, die Witterung, die Sterne und der Mond.“

Das heisst: Man kann noch so gut vorbereitet sein, trotzdem kann etwas schiefgehen. Ein Platten, verlorene Kohlenhydrate oder einfach nicht den erhofften Tag erwischen.

Wenn man jedoch zeigt, was man trainiert hat, kommt immer das Ehrlichste heraus. So auch bei Emma. Nach dem Schwimmen lag sie 7 Minuten zurück und hatte am Ende 19 Minuten Vorsprung auf Platz 2.

Sie hat meine Ideen nicht nur umgesetzt, sondern hatte auch grossen Spass im Rennen – und das, obwohl ich sie vor dem Rennen fast überreden musste zu starten. Ich habe ihr gesagt:„Du sollst starten, ich warte genau hier am Strand. Du kannst jederzeit zurückkommen.“

Ich habe gewartet, und sie kam nicht. Also wusste ich: Die Hürde ist genommen. Danach ging es nur noch darum, Kleinigkeiten nicht zu vergessen, wie zum Beispiel das Kühlen. Denn der Athlet merkt in der Regel am besten selbst, was geht. Das Gefühl sagt einem, was man tun soll. Wie immer geht es darum, herauszufinden, was es gerade braucht.

In solchen Situationen ist man wie ein Pilot: Man checkt die Systeme, und bei einem Fehler handelt man mit der entsprechenden Lösung. Mehr Erfahrung, bessere Fehlerlösung. Einfach, oder?


Mein Ende der Woche

Ich freue mich riesig auf mein erstes eigenes Rennen. Allerdings muss ich sagen, dass es einfacher ist, zu sagen, welche Jass-Karte man legen soll, als alle Karten in der Hand zu haben und dann selbst zu spielen.

Es werden spannende Wochen, in denen ich herausfinden werde, wie ich mein Training gestalte. Wie immer ist der Anfang das Wichtigste. Zuerst muss ich meinen Körper wieder synchronisieren und updaten. Denn jetzt bin ich richtig erkältet. Das hat sich einfach zu lange hingezogen.

Es ist, wie es ist. Ich mache jetzt erst einmal eine Pause und schaue, wie es weitergeht. Die letzten Wochen haben ihre Spuren hinterlassen. Wahrscheinlich gehe ich sogar zurück auf Feld eins und schlafe jede Nacht genug, sodass meine HRV wieder ins Grüne kommt. Seit Anfang Jahr ist sie immer im roten Bereich, und ich merke, dass mein Körper kaum auf die Reize reagiert, die ich setzen möchte.

Wie immer gilt: Viele kleine Schritte ergeben einen grossen.

 
 
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