Wochen News Nummer 36
Die Rennwoche ist gekommen und eigentlich habe ich mich die ganze Woche schon auf den Sonntag gefreut. Wenn ein Wettkampf nur gerade 30 Minuten von der Haustür entfernt stattfindet, ist die ganze Vorbereitung doch einiges entspannter. Und genau das war ich auch bis Sonntagmorgen. Solche Rennvorbereitungen liebe ich. Man weiss, wie alles funktioniert, kennt die Gegend und kann die ganze Sache ziemlich entspannt angehen. Kein Stress mit dem Verpacken des Rades, keine Angst, dass man irgendetwas Wichtiges zu Hause vergessen hat, und auch kein Übergepäck beim Reisen.
Die letzten Vorbereitungen
Wie sah die Woche also aus? Zum Start der Woche habe ich nochmals alles durchgeschaut und kontrolliert, ob ich wirklich alles für das Rennen habe. So konnte ich am Montag noch meine Wettkampfverpflegung bei Aid Station, einem Onlineshop hier in Australien, bestellen. Mein Rad war bereits in der Woche davor im Service gewesen, also wusste ich auch dort, dass alles bereit ist. Danach ging es eigentlich nur noch darum, Training und Arbeit richtig zu balancieren. Ich wollte am Sonntag bereit sein und natürlich nicht zu müde an der Startlinie stehen. Gleichzeitig wollte ich aber auch nicht einfach gar nichts mehr machen. Diese Balance haben wir ziemlich gut hinbekommen und bis zum Wettkampf hat alles super funktioniert.
Das Aufregendste der Woche war für mich aber etwas anderes: Ich habe endlich mit dem Wiedereinstieg ins Laufen begonnen. Gestartet bin ich mit 10 × 1 Minute Laufen und jeweils 1 Minute Gehen dazwischen. Schritt für Schritt habe ich das gesteigert und am Samstag war ich bereits bei 3 Minuten Laufen und 1 Minute Gehen. Das Positive ist, dass es beim Laufen immer besser wird. Meine Plantarfaszie spüre ich eigentlich nur noch in der Nacht, wenn ich aufstehe, oder am Morgen bei den ersten Schritten. Danach ist alles in Ordnung. Selbst wenn ich bei der Arbeit den ganzen Tag stehe und danach nochmals trainiere, macht der Fuss gut mit. Meine Läufe mache ich momentan bewusst auf einem Grasfeld oder auf einer 400-Meter-Bahn, die hier ebenfalls aus Gras ist. So versuche ich, den Impact auf den Fuss weiterhin möglichst gering zu halten.
Noch eine letzte Schwimmbad Geschichte
Bevor ich zum Rennwochenende komme, gibt es noch eine letzte Schwimmbad-Geschichte. Der 50-Meter-Pool ist seit dieser Woche, in der ich diesen Blog schreibe, endlich wieder geöffnet und darüber bin ich wirklich froh. Mein letztes Set davor musste ich deshalb noch in einem uralten, aber irgendwie sehr coolen Pool in Tewantin schwimmen. Leider habe ich vergessen, ein Foto zu machen. Dort war alles so familiär, dass ich direkt meine eigene Bahn bekommen habe. Die älteren Leute machten mir sofort Platz, ohne dass ich überhaupt etwas sagen musste. Dafür war ich wirklich dankbar und irgendwie waren auch alle ein bisschen froh, dass ein guter Schwimmer bei ihnen im Pool seine Bahnen zieht.
Nach dem Schwimmen fragte mich die Frau an der Kasse, wo ich schwimmen gelernt hätte und wie alt ich damals gewesen sei. Als ich ihr erzählte, dass ich erst mit 18 Jahren richtig mit dem Schwimmen angefangen hatte und davor eigentlich gar nicht geschwommen bin, war sie ziemlich erstaunt. Und ehrlich gesagt bin ich das manchmal selbst, wenn ich daran zurückdenke, wo ich angefangen habe und wo ich heute stehe.
Das Rennwochenende
Am Samstagnachmittag fuhren wir rund 30 Minuten nach Maroochydore, etwas südlich von Noosa, wo das Rennen stattfand. Dort angekommen, holte ich zuerst meine Startnummer und die Unterlagen ab und sagte an der Expo einigen Leuten Hallo, die ich kannte. Es ist immer wieder schön, Menschen zu treffen, die man teilweise wirklich nur an Wettkämpfen sieht. Um 14.30 Uhr stand dann das Race Briefing auf dem Programm. Wie immer werden dort nochmals die Regeln erklärt. Viel wichtiger finde ich aber jeweils die Informationen darüber, was auf der Strecke speziell ist und ob es irgendwelche Änderungen gibt, die man beachten muss. Bis auf eine Stelle, an der ein Abzweiger neu gebaut worden war, war eigentlich alles wie gewohnt. Da die Radstrecke grösstenteils auf einer Schnellstrasse verläuft und ich sie kenne, wusste ich sowieso ziemlich genau, was mich erwartet. Flach hoch und flach runter so einfach lässt sich diese Strecke eigentlich beschreiben.

Danach fuhren wir zu unserem Airbnb, das sehr nahe beim Wettkampf lag. Da der Start am Sonntag sehr früh ist und die Strassen gesperrt werden, müsste man von Noosa herkommend einen ziemlichen Umweg fahren. Daraus kann schnell bis zu einer Stunde zusätzliche Fahrzeit werden. Deshalb ist es für mich deutlich einfacher und vor allem stressfreier, eine Nacht direkt dort zu verbringen.
Endlich wieder Rennfeeling
Am Sonntagmorgen klingelte der Wecker kurz nach 3 Uhr. Es gibt definitiv angenehmere Uhrzeiten zum Aufstehen, aber ich muss sagen, an einem Rennmorgen fällt mir das irgendwie immer ziemlich leicht. Danach beginnt das Prozedere, das man mittlerweile kennt. Nach meinem Frühstück sprangen wir ins Auto und gegen 4.30 Uhr waren wir auf dem Parkplatz beim Wettkampf. In der Wechselzone angekommen, machte ich alles am Rad bereit und kontrollierte nochmals, ob wirklich alles stimmt. Alles bestens und das ist immer beruhigend, wenn man weiss, dass man jetzt nicht noch anfangen muss, irgendetwas am Rad auseinanderzunehmen oder zu reparieren.

Wegen meines Fusses liess ich das übliche Einlaufen weg. Stattdessen hatten Mel, Kurt und ich uns ein anderes Warm-up überlegt. Zuerst wärmte ich mit meinem Theraband die Schultern auf. Danach kamen das Springseil und weitere Übungen dazu, um auch meinen Fuss auf die Belastung vorzubereiten. Dann ging es in den Neoprenanzug und ab ins Wasser für das Schwimm-Warm-up, das Kurt mir aufgeschrieben hatte. Langsam kam dann auch die Nervosität. Gleichzeitig hatte ich aber das Gefühl, dass das Carbo Loading funktioniert hatte und mein Körper bereit war. Ich fühlte mich gut und freute mich einfach darauf, dass es endlich losging.
Als der Start erfolgte, ging es direkt ins Wasser und mitten hinein ins übliche Getümmel. Am Anfang wurde ich etwas von anderen Schwimmern eingekesselt. Also praktisch Vollstopp und danach wieder Vollgas, um an den Leuten vorbeizukommen und den Zug vorne nicht zu verlieren. Leider ging dann trotzdem eine kleine Lücke auf und ich fand mich schliesslich hinter einem guten Schwimmer wieder, der uns perfekt zwischen den Bojen hindurch navigierte. Ich bin stolz darauf, wie gut ich mich an seinen Füssen halten konnte.
Was ich allerdings wahrscheinlich nie verstehen werde, ist, warum Leute nach 1'500 Metern Schwimmen noch versuchen zu überholen, dann aber nicht wirklich vorbeikommen und stattdessen auf Hüfthöhe hängen bleiben. Für alle Nichtschwimmer kurz erklärt: Wenn jemand genau auf Hüfthöhe schwimmt, kann er einem ziemlich viel Wasser wegnehmen und dadurch beide langsamer machen. Gerade wenn man in einer Gruppe unterwegs ist und nicht an der Spitze liegt, sollte das Ziel eigentlich sein, gemeinsam möglichst wenig Zeit zu verlieren. Am schnellsten ist die Gruppe, wenn alle sauber hintereinander schwimmen und einfach Vollgas geben.
Nach dem Schwimmen ging es aufs Rad und dort war für mich klar: Jetzt gebe ich alles, was ich habe. Ich wusste schliesslich, dass ich nicht laufen werde und musste deshalb für den Halbmarathon keine Körner aufsparen. Gesagt, getan. Ich bin auf dem Rad die höchste Wattleistung gefahren, die ich jemals in einem Rennen getreten habe. Darauf bin ich mächtig stolz. Auch auf die Spitzengruppe habe ich weniger Zeit verloren als sonst, was mich zusätzlich sehr positiv stimmt.
Als ich dann in T2 ankam, war mein Rennen wie geplant zu Ende. Ich konnte mein Rad nehmen und mich aus dem Renngeschehen verabschieden. Danach war es Zeit, etwas zu essen und natürlich einen Kaffee trinken zu gehen, bevor ich noch zur Ziellinie ging und einigen bekannten Gesichtern Hallo sagte.
Müde, zufrieden und bereit für das Nächste
Und schon war wieder Sonntagnachmittag. Ich fühlte mich ein bisschen so, als hätte ich Jetlag. Mit dem Koffein und dem ganzen Adrenalin eines Wettkampftages merkt man die Müdigkeit sowieso nicht sofort. Aus der Vergangenheit weiss ich aber, dass sie kommt, meistens ein oder zwei Tage später. Dann ist man auch froh, wenn wieder etwas Ruhe einkehrt.
Trotzdem bin ich sehr stolz auf das, was ich an diesem Wochenende leisten konnte. Wie eigentlich immer bei einem Triathlon hatte ich ein Hammer-Wochenende und habe es einfach genossen, wieder mitten im Renngeschehen zu sein. Jetzt freue ich mich schon auf meine Reise nach Port Mac in ein paar Wochen. Bis dahin nehme ich euch selbstverständlich weiter mit und erzähle euch, wie es mit dem Laufen vorangeht. Im Moment bin ich sehr guter Dinge, denn der Fuss fühlt sich immer besser an.
Somit lesen wir uns nächste Woche wieder hier.
Bis dann
Cyrill


